"The artist must not only train his eyes,
but also his soul." Rembrandt
Informationen rund um meine Arbeit
Arbeitsmaterial, Entstehungsprozess,
Einflüsse, Ausstellungen, Gedanken,
im Dialog mit anderen Menschen.
"Very early in life, I fell in love with the landscape of the human face,
where all the emotional states of life are to be found."
Burton Silverman
Zu meinem Werkzeug gehört tatsächlich auch eine Lupe.
Einer der Gründe ist nachzulesen bei J. Ringelnatz:
"Genau besehn
Wenn man das zierlichste Näschen
Von seiner liebsten Braut
Durch ein Vergrößerungsgläschen
Näher beschaut,
Dann zeigen sich haarige Berge,
Daß einem graut."
Joachim Ringelnatz, 1883-1934
Und wer es nicht glaubt, sollte einfach mal zur Lupe greifen. Falls sich die betreffende Dame, oder der Herr, dem Experiment verweigern, dann empfehle ich den Selbstversuch.
Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie die Portraitzeichnerin Ihrer Wahl.
Ich probe, während ich mich behutsam an Lebensgeschichten herantaste.
Bevor der erste Strich auf das Papier gelangt, arbeite ich an einer Art innerer Choreografie, einer Komposition. Eine Annäherung an den Menschen. Zuhören, Sehen lernen, lesen, wie eine Seekarte.
Viele meiner Inspirationen erhalte ich durch die anderen Künste. Theater, Tanz, Musik, Fotografie, Bildhauerei.
Meine größte Inspiration ist das Leben selbst, die Menschen, denen ich auf unterschiedlichste Weise begegne.
„Diamonds are a girls best friend.“
Was fasziniert am Zeichnen mit Zeichenkohle?
Zunächst das Material selbst und der Entstehungsprozess.
Holz und Feuer.
Wobei es Weidenholzkohle gibt, Holzkohle aus der Rebe, die ich liebe wegen Ihres bläulichen
Schimmers, oder aus Linde, Papel und Obstbäumen…
Es ist ein sinnlicher Genuss, weswegen ich keine Handschuhe beim Zeichnen trage.
Meine Urgroßmutter hielt selbst bei der Gartenarbeit nichts von Handschuhen.
Sie meinte, wenn man zärtlich und kraftvoll beim Pflanzen in die Erde greift, dann spürt die Erde unsere Liebe – das macht Sinn – schließlich streicht man auch einem lieben Menschen nicht mit Handschuhen über das Gesicht.
Außerdem kann Kohle, wenn sie auf das Papier trifft zu singen beginnen. Was für manche wie ein
Summen oder auch Kratzen klingt, ist für mich Gesang, je nach Art der Kohle und des Papiers, immer anders.
Ich weiß sogar, wie Kohle schmeckt, ja ich habe natürlich, neugierig wie ich nun mal bin, es ausprobiert. Ein bisschen wie Puderzucker, erdig und nach Feuer und Grillen an einem Sommerabend und einem dunklen staubtrockenen Wein.
Dann ist Holzkohle das Urmaterial für die Entstehung von Diamanten.
Ich bevorzuge das Rohmaterial, das Feuer darin und das Ungeschliffene.
„A diamond is just a charcoal that handled stress exceptionally well.“ Unknown
Das muss man sich vorstellen, ich habe hier unvollendete Diamanten gelagert. Bei mir erscheinen sie dann hin und wieder in den Zeichnungen.
Und dann ein weiterer Aspekt:
Kohle ist das älteste Zeichenmaterial der Welt.
Es verleiht mir ein Gespür der Tiefe für Zeit und Raum.
Hier wunderbar in den folgenden Worten zum Ausdruck gebracht:
„You are confronted with abysses of time that are, in a way, unfathomable. You see a painting in charcoal of raindeer and it was left unfinished and somebody else finished it. But through radio carbon dating we know that the next one completed the painting 5,000 years later. You're just blown away by the notion of passage of time. We have no relationship to that kind of depth of time.“ W. Herzog
Und dann liebe ich diesen poetischen Gedanken:
“When I write...
I am in the fond arms
of a childhood friend
upon whose colorful heart I can hang
the charcoal drawings
of my woes.”
Sanober Khan
…und für mich gilt dies auch beim Zeichnen.
Also für mich bitte keine Diamanten, sondern Kohle.

Beim Portraitieren geht es mir, wie der bereits verstorbenen Tänzerin, Choreografin und Balletdirektorin Pina Bausch, die einmal sagte:
"Mich interessiert nicht so sehr, wie sich Menschen bewegen, als was sie bewegt."
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